(April 2026) Die 42. Bundesfachtagung des Fachverbandes für Einkäufer, Materialwirtschaftler und Logistiker im Krankenhaus (femak) e. V. fand Ende März im Mövenpick Hotel in Münster statt. Unter dem Motto „Next Level Klinikversorgung – digital, resilient und wirtschaftlich?“ gab es eine Vielfalt spannender Vorträge, genügend Zeit für Networking und Austausch in der vollständig ausgebuchten Industrieausstellung bzw. auf den Abendveranstaltungen; und, wie in jedem Jahr, prominenten Besuch.
Rund 160 Interessierte diskutierten die drei zentralen Zukunftsaspekte der Gesundheitsversorgung: Digitalisierung Resilienz und Wirtschaftlichkeit, insbesondere im Bereich Einkauf und Logistik.
Next Level Klinikversorgung
Nils Dehne, Geschäftsführer der Allianz kommunaler Großkrankenhäuser e. V. (hierbei handelt es sich um die neuen Level-3-Kliniken) sprach über die „Next Level Klinikversorgung“ und empfahl eine mögliche Lösung in Kooperation statt Wettbewerbsdenken. Denn es brauche vielfältige Optimierungsansätz, da aufgrund der Krankenhausreform die Vermeidung stationärer Fälle belohnt werde.
Vanessa Brenne, tracekey solutions GmbH, zeigte auf, wie wichtig EU-Standards für die Digitalisierung sind. Ab Ende Mai muss die EUDAMED (das zentrale System der EU für Medizinprodukte) verpflichtend genutzt werden: Für die Hersteller besteht die Pflicht zur Registrierung, Produkte müssen mir einer UDI versehen und eingetragen werden. Die Firma unterstützt mit dem mytracekey UDI Manager die Medizintechnikhersteller mit smarter Software, um möglichst einfach compliant zu sein. Zusammenfassend sagte Brenne, Standards seien Treiber und wenn die neuen Abläufe erst einmal gewohnt seien, werde es einfacher.
Über „Digitale Materialdokumentation im Krankenhaus“ mithilfe diverser Barcodes und Scannvorgänge referierte Nicol-Jasmin Oboda, KRH Klinikum Region Hannover, Digital Supply Chain Management. Dort entwickelten sie eine Best-Practice-Lösung zur Vermeidung von Verwechslungen, ein wichtiger Aspekt der Patientensicherheit.
Die Einsatzmöglichkeiten von KI im Klinikeinkauf erläuterte Adam Powelek, Geschäftsführer POT GmbH & Co KG. Eine Abfrage im Publikum zeigte: Mehr als die Hälfte der Einkäufer nutzen KI bereits. Resilienz durch KI im Klinikeinkauf bestehe in der Früherkennung von Risiken, der Diversifizierung der Lieferanten, einem optimierten Bestandsmanagement und einer Echtzeit-Risikobewertung, so Powelek. Grundlage für den KI-Einsatz sei immer die Prozessanalyse und Optimierung. Anhand von neun Säulen stellt er eine erfolgreiche KI-Implementierung innerhalb eines ganzheitlichen Ansatzes vor.
Krankenhausreform und bauliche Perspektiven für Kliniken
Über die Krankenhausreform mit den neuen Leistungsgruppen sprach Prof. Dirk Lauscher, DVKC e. V. Die Erkenntnisse aus Nordrhein-Westfalen zeigten eine deutliche Strukturreform durch die Leistungsgruppen. Sie schlägt sich in der Reduktion des Leistungsvolumens sowie der Reduktion der Doppel- und Mehrfachvorhaltung nieder. Ende März wurde im Zuge des Krankenhausreformanpassungsgesetzes (KHAG) die ursprüngliche Anzahl von 65 auf 61 Leistungsgruppen reduziert, die Zuweisung erfolgt länderindividuell Ende des Jahres 2026.
Dipl.-Ing. Manfred Wolf, emtec e. V., beleuchtete die Krankenhausreform aus baulicher Sichtweise. Kliniken, die nicht mehr als solche gebraucht werden, lassen sich umwidmen in MVZs, Pflegehäuser oder Wohnareale. Er empfahl, schnell zu handeln, da die Reform Fakt sei und nicht warte. Prof. Dr.-Ing. Hubert Otten, Hochschule Niederrhein, stellte die Logistik im Krankenhaus anhand einer Benchmark-Studie dar. Sie bleibt aufgrund der Datenmengen eine gigantische Herausforderung, jetzt und in Zukunft.
Best Practices, Health Pitches, prominente Gäste
In Health Pitches und Best-Practice-Beispielen – teilweise mit begleitenden Kliniknutzern – stellten sich die Unternehmen EauK (Wasserspender), aequitix (digitale Rechnung), SMS medipol, Amazon und igefa (Einkaufsplattformen), neoalto (automatische Modulversorgung), Wemolo (Parküberwachung) und Kemas/Keba (Wäscheausgabeystem) vor.
Prominenter Gast war Joey Kelly, der in seinem Vortrag „No limits“ eindruckvoll darstellte, wie man Ausdauer, Ziele und Willen konsequent umsetzt. Seine Botschaften „Gib mehr, als du nimmst!“ und „Gib niemals auf“ deuten neben seinen extremen sportlichen Herausforderungen auch auf eine starke soziale Verantwortung. In Kürze wird er 48 Stunden als Pflegehilftskraft arbeiten und die Pfandsucher an der Kölner Domplatte nach ihrer Historie befragen (Bericht erfolgt via SternTV). Sein Fazit: Bildung und Flexibilität sind die stärksten Treiber für die Zukunft der Gesellschaft, auch er müsse sich immer wieder neu erfinden.
Die 43. Bundesfachtagung wird am 15. und 16. März 2027 erneut in Münster stattfinden. Weiterführende Infos finden sich hier. Hier wird auch der neu gewählte Vorstand in Kürze vorgestellt.
Quelle: Mirjam Bauer



