(Januar 2026) Der fokussierte Ultraschall ist eine schonende Therapiemöglichkeit gegen den sogenannten essenziellen Tremor. Die Betroffenen leiden unter unkontrollierbaren Muskelaktivitäten, schon der Griff zum Wasserglas ist oft eine Herausforderung. Mit der Therapiemethode werden nur die auslösenden Bereiche im Gehirn behandelt.
Was ist der essenzielle Tremor?
Der essenzielle Tremor ist eine neurologische Bewegungsstörung, bei der es zu rhythmischen, unwillkürlichen Muskelaktivitäten kommt, meist an Händen und Armen. Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, eine genetische Veranlagung ist aber wahrscheinlich. Typisch ist, dass das Zittern bei gezielten Bewegungen oder beim Halten einer Position stärker wird (z. B. beim Schreiben oder beim Trinken). Der essenzielle Tremor ist gutartig, schreitet jedoch langsam fort und beeinträchtigt den Alltag.
Innovative Behandlungsmethode
Der Magnetresonanz-gesteuerte fokussierte Ultraschall, kurz MRgFUS, ist eine schonende Behandlungsmethode, die bisher nur an wenigen Kliniken in Deutschland durchgeführt wird. Dazu gehören die Sana Kliniken Duisburg, die dieses Hochpräzisionsverfahren anbieten und in Zusammenarbeit mit dem Neurologen und Neurowissenschaftler Professor Lars Wojtecki von der Universitätsklinik Düsseldorf sowie Privatdozent Dr. Haidar Dafsari aus der Universitätsklinik Köln evaluieren.
„MRgFUS eignet sich für Patienten mit schwerem Tremor, bei denen Medikamente nicht ausreichend wirken„, erklärt Lars Wojtecki. „Als Alternative zur tiefen Hirnstimulation ist MRgFUS eine nicht-invasive Behandlungsoption, von der die Patienten profitieren können“, ergänzt Haidar Dafsari.
Professor Wilhelm Nacimiento, Chefarzt der Neurologie der Sana Kliniken Duisburg, betont, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei dieser Therapie ist: „Unsere neurologische Abteilung begleitet die Patientinnen und Patienten vom ersten Gespräch bis zur Nachsorge. Das neurochirurgische Team nimmt den Eingriff dann in der Abteilung für Neuroradiologie im MRT vor.”
Funktionsweise
Das Grundprinzip des Verfahrens ist einfach. Ärzte bündeln hochintensive Ultraschallwellen von außen gezielt auf einen Punkt im Gehirn.
Das Team der Radiologie und Neuroradiologie bereitet die Patienten vor. Chefarzt Dr. Martin Schlunz-Hendann, Facharzt für Radiologie mit dem Schwerpunkt Neuroradiologie, erklärt, wie wichtig die Vorbereitung vor dem eigentlichen Eingriff ist: „Unsere medizinischen Technologinnen der Radiologie (MTRs) müssen das Gerät auf den Millimeter genau einstellen, damit die Ultraschallwellen auch an der richtigen Stelle im Gehirn ankommen. Dies stellen wir durch unsere Bildgebung sicher.”
Professor Martin Scholz, Facharzt für Neurochirurgie und spezielle neurochirurgische Intensivmedizin bei Sana, erläutert die Vorgehensweise: „Um die richtige Stelle zu finden, die den Tremor, verursacht, setzen wir den Magnetresonanztomografen (MRT) zur Bildgebung ein. Der behandelte Bereich wird durch die Ultraschallwellen erhitzt. Dadurch sterben krankhafte Zellen ab, umliegende Gewebebereiche bleiben aber unberührt. Daher ist dieses Verfahren für die Patienten sehr schonend.”
Die Anwendung besteht aus mehreren Schritten:
- Ultraschallsender anbringen: Zunächst muss der Kopf rasiert und die Haut lokal betäubt werden. Danach verteilen die Ärzte mit einer Art Helm rund 1.000 kleine Ultraschallsender am Kopf.
- Den richtigen Bereich identifizieren: Danach erstellen die Mediziner im MRT eine exakte dreidimensionale Karte des betroffenen Bereichs im Gehirnbereich, der nur wenige Millimeter groß ist. Mit einer geringen Temperatur wird der fokussierte Ultraschall an der entsprechenden Stelle appliziert. Dadurch werden die Zellen nur kurzfristig lahmgelegt und nicht zerstört.
- Testen, ob sich ein Erfolg einstellt: Die Patienten führen unter der Behandlung mit der niedrigen Temperatur eine Bewegung aus, die normalerweise zum bekannten Zittern führt. Nimmt der Tremor während der Testphase ab, haben die Mediziner den richtigen Punkt ermittelt.
- Behandlung mit Hitze: Sobald die Ärzte die richtige Stelle gefunden haben, werden die Nervenzellen mit gebündelten Schallwellen zerstört. Die Behandlung ist schmerzlos, dauert mehrere Stunden und wird in Intervallen eingesetzt. Die Kontrolle erfolgt mittels MRT.
So können die Ärzte die Temperatur und Wirkung des Eingriffs in Echtzeit kontrollieren. Daher ist die Therapie sehr sicher und effektiv.
Erfolg tritt sofort ein
Sofort nach dem Eingriff bemerken die Patienten in der Regel bereits eine nahezu vollständige Reduzierung des Tremors. Sie können sich wieder mit größerer Sicherheit bewegen und Alltagstätigkeiten wie Schreiben oder Trinken sind plötzlich wieder ohne Probleme möglich. Das verbessert nicht nur die Selbstständigkeit, sondern auch die Lebensqualität enorm.
Quelle: Sana Kliniken



