- Bericht der FinanzKommission Gesundheit mit 66 Reformvorschlägen vorgelegt
- Stärkere Ausgabensteuerung erhöht Druck auf Medizintechnik und Hilfsmittelversorgung
- Politische Ausgestaltung entscheidet über Innovationsfähigkeit und Versorgungsqualität
(April 2026) Berlin. Mit dem Bericht der FinanzKommission Gesundheit liegt eine umfassende Analyse der finanziellen Lage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sowie ein Katalog möglicher Reformmaßnahmen vor. Die Vorschläge markieren jedoch noch keine politische Entscheidung – die Bundesregierung muss daraus nun konsensfähige Maßnahmen entwickeln und gesetzlich umsetzen. Aus Sicht der Medizintechnik im Deutschen Industrieverband SPECTARIS beginnt damit eine entscheidende Phase gesundheitspolitischer Weichenstellungen.
Reformdruck auf die GKV
„Der Handlungsdruck ist unbestritten. Die vorliegenden Vorschläge sind jedoch zunächst eine Grundlage für politische Entscheidungen. Wer jetzt einseitig auf Kostendämpfung setzt, riskiert Einbußen bei Qualität, Innovation und Versorgungssicherheit“, sagt Marcus Kuhlmann, Leiter der Medizintechnik bei SPECTARIS. Es zeigt sich insbesondere bei der Ausgabensteuerung erheblicher Anpassungsbedarf: Versorgungsleistungen mit Medizintechnik und Hilfsmitteln geraten stärker unter Wirtschaftlichkeitsdruck, Vergütungssteigerungen sollen begrenzt und der Nutzen neuer Technologien kritischer geprüft werden.
Besonders kritisch bewertet SPECTARIS die vorgeschlagene Einschränkung der initialen Preisfreiheit sowie der Erprobungsregelungen für neue Produkte. „Wenn der Marktzugang für innovative Medizintechnikprodukte erschwert wird, verzögert sich der Nutzen für Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig steigt der Druck auf Unternehmen, ihre Innovationen schneller und kosteneffizient nachzuweisen. Medizintechnik ist kein Kostentreiber, sondern ein zentraler Hebel für eine effizientere Versorgung – Innovationen senken langfristig Kosten und verbessern die Lebensqualität“, so Kuhlmann.
Ausschreibungen und Evidenzanforderungen
Die Kommission schlägt unter anderem die Wiedereinführung von Ausschreibungen für Hilfsmittel vor. Kurzfristige Einsparungen stehen dabei einem steigenden wirtschaftlichen Druck auf Hersteller und Leistungserbringer gegenüber – bei gleichzeitig höheren Anforderungen an Evidenz und Nutzenbewertung.
Erfahrungen zeigen: Starker Preisdruck ohne klare Qualitätsvorgaben führt zu Versorgungslücken und eingeschränkter Wahlfreiheit. „Ausschreibungen dürfen nicht zu Lasten der Versorgungsqualität gehen und sind kein geeigneter Ansatz für eine zukunftsfähige Versorgung“, betont Kuhlmann.
Leitplanken für eine nachhaltige GKV-Reform
Für die anstehenden Reformen braucht es klare Leitplanken:
- Effizienzpotenziale verantwortungsvoll heben: Angesichts der finanziellen Lage der GKV ist es richtig, Wirtschaftlichkeitsreserven zu nutzen. Entscheidend ist jedoch, dass Einsparungen nachhaltig erfolgen und nicht zulasten von Versorgungsqualität und Innovationsfähigkeit gehen.
- Innovationsschutz sichern: Neue Technologien benötigen verlässliche Rahmenbedingungen für Marktzugang und Refinanzierung, damit sie ihren Beitrag zu einer effizienteren Versorgung überhaupt entfalten können.
- Versorgungsqualität gewährleisten: Preiswettbewerb darf nicht zulasten von Qualität und Patientensicherheit gehen.
- Evidenz praxisnah gestalten: Anforderungen an Nutzennachweise müssen realistisch und umsetzbar bleiben, damit Innovationen zügig in die Versorgung gelangen können.
Politische Entscheidungen sind entscheidend
„Das bis zur Sommerpause von der Bundesregierung vorzulegende GKV-Finanzstabilisierungsgesetz entscheidet darüber, wie zukunftsfähig unser Gesundheitssystem ist. Die vorliegenden Vorschläge sind eine wichtige Grundlage – entscheidend ist, wie die Politik sie weiterentwickelt. Eine Reform darf kein reines Sparprogramm sein, sondern muss Innovation ermöglichen, Qualität sichern und Versorgung langfristig stabilisieren“, so Kuhlmann.
Quelle: SPECTARIS



