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StartMarkt & SzeneBehandlungsfehler: Nur wenig Nachverfolgung vermeidbarer Schäden

Behandlungsfehler: Nur wenig Nachverfolgung vermeidbarer Schäden

(November 2025) Die aktuelle Jahresstatistik des Medizinischen Dienstes Bund zur Behandlungsfehlerbegutachtung 2024 wurde heute veröffentlicht. Auch wenn die Zahlen seit Jahren weitgehend stabil bleiben: Nur rund drei Prozent der vermeidbaren Schäden werden bislang systematisch nachverfolgt. Um diese Zahl in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen und Patientensicherheit dauerhaft zu stärken, fordert das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) die Entwicklung eines Nationalen Aktionsplans Patientensicherheit.

Stabile Zahlen, fehlende Struktur

In über 12.300 Fällen wurde im vergangenen Jahr ein Verdacht auf einen Behandlungsfehler geprüft. In rund jedem fünften Fall bestätigte sich der Verdacht, in jedem vierten Fall war der Fehler ursächlich für den erlittenen Schaden. Diese Zahlen sind seit Jahren nahezu unverändert, und genau das ist das Problem. Trotz vieler Initiativen fehlen nach wie vor systematische Strukturen zur Fehlervermeidung.

„Jeder vermeidbare Fehler bedeutet Leid für Patientinnen und Patienten und verursacht immense Kosten für das Gesundheitssystem. Dass wir seit zwei Jahrzehnten über Sicherheitskultur sprechen, aber noch immer keine verbindliche nationale Strategie haben, zeigt: Hier liegt enormes Potenzial für die Politik. Wer jetzt handelt, kann Patientensicherheit als echten Fortschritt und Gewinn für das gesamte Gesundheitssystem gestalten“, betont Dr. Ruth Hecker, Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS).

Nationaler Aktionsplan Patientensicherheit gefordert

Das APS fordert die Erarbeitung und Umsetzung eines Nationalen Aktionsplans Patientensicherheit, um Patientensicherheit dauerhaft als gesundheitspolitisches Ziel zu verankern.
Patientensicherheit müsse als Querschnittsaufgabe verstanden werden, nach dem Prinzip „Patient Safety in all Health Policies“. Fehler seien selten das Versagen Einzelner, sondern das Ergebnis komplexer Systemschwächen, unzureichender Kommunikation oder fehlender Sicherheitsbarrieren. „Wir brauchen endlich eine Kultur in der nachweislich aus Fehlern gelernt wird, statt Einzelne zu verurteilen. Denn der menschliche Faktor wird immer bleiben. Patientensicherheit darf kein Randthema mehr sein. Sie ist die Grundlage für Vertrauen, Qualität und Nachhaltigkeit in der Versorgung“, so Hecker weiter.

Krankenhausreform und Digitalisierung als Hebel nutzen

Die bevorstehende Krankenhausreform bietet nach Ansicht des APS eine historische Chance, Patientensicherheit systematisch zu verankern. Dazu gehören:

  • Gezielte Investitionen in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, um den menschlichen Faktor, der Fehler verursacht, zu minimieren und Risiken frühzeitig zu erkennen.
  • Förderung von Rückmeldungssystemen wie PREMS (Patient-Reported Experience Measures) und Sicherheitskulturbefragungen, um Rückmeldungen aus Versorgung und Personal strukturiert einzubeziehen.
  • Finanzielle Anreize für Sicherheitsmaßnahmen, damit Einrichtungen, die aktiv in Sicherheitsmanagement investieren, davon auch profitieren.

Nur wenn Reformen Patientensicherheit als Qualitätsziel begreifen, können sie nachhaltig wirken, ökonomisch und zum Nutzen von Patient:innen und Mitarbeitenden.

Mehr Wissen, warum Fehler passieren

Bislang werden nur rund drei Prozent der vermeidbaren Schäden systematisch nachverfolgt. Das APS fordert daher eine bessere Datenbasis und vernetzte Analysen, die medizinische, organisatorische und digitale Faktoren zusammenführen. Ein modernes Patientensicherheitsmanagement braucht Datenintelligenz, interdisziplinäre Forschung und eine offene Fehlerkultur. Deutschland muss entschlossener, mit einer klaren Strategie, gemeinsamer Verantwortung und dem Willen, aus Fehlern zu lernen, handeln.

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