StartE-HealthUngenutztes Potenzial in der digitalen Versorgung

Ungenutztes Potenzial in der digitalen Versorgung

(März 2026) Berlin. 84 Prozent der Deutschen sind offen für Digital Health – doch konkrete Versorgungsangebote bleiben hinter dem Potenzial zurück. Die neue bevölkerungsweite repräsentative Studie „EHealth Insights 2026“ von _fbeta zeigt, wo die entscheidenden Stellschrauben liegen.

Die Akzeptanz digitaler Gesundheitslösungen in Deutschland ist hoch – höher, als es die reale Versorgungssituation vermuten lässt:

  • 31 Prozent der 18- bis 75-Jährigen nutzen bereits Digital-Health-Anwendungen,
  • weitere 53 Prozent zeigen sich offen dafür.

Damit zählen 84 Prozent der Bevölkerung zur potenziellen Zielgruppe digitaler Gesundheitsangebote.

Nutzung und Potenziale

Gleichzeitig zeigt sich eine strukturelle Lücke: Digitale Lösungen werden bislang vor allem für Verwaltungs- und Kommunikationsprozesse genutzt. 35 Prozent greifen auf Online-Geschäftsstellen ihrer Krankenversicherung zurück, 24 Prozent nutzen digitale Anwendungen zur Terminorganisation oder Leistungserbringersuche.

Anwendungen mit unmittelbarem Versorgungsbezug, etwa therapiebegleitende Unterstützung, digitale Coachings oder konkrete Interventionen, spielen bislang eine deutlich geringere Rolle.

Dabei ist das Potenzial enorm:

  • 71 Prozent der Befragten zeigen sich offen für Telemonitoring,
  • 64 Prozent für digitale Therapiebegleitung,
  • 56 Prozent für digitale psychische Interventionen.

„Die Daten zeigen eine bemerkenswert hohe Offenheit für digitale Gesundheitslösungen – über Alters- und Indikationsgrenzen hinweg. Gleichzeitig wird deutlich, dass insbesondere versorgungsnahe Anwendungen noch deutliches Entwicklungspotenzial haben“, erklärt Karsten Knöppler, Geschäftsführer _fbeta GmbH. „Unsere Daten machen deutlich, welche Faktoren Nutzung begünstigen und wo Vorbehalte bestehen. EHealth Insights übersetzt diese Erkenntnisse in strukturierte Entscheidungsgrundlagen für Akteure im Markt“, ergänzt Anja Schweitzer, Partnerin _fbeta und Leiterin des Geschäftsbereichs Market Research.

Zentrale Stellschrauben

Die Daten geben Hinweise darauf, welche Faktoren bislang aufgeschlossene Nicht-Nutzer zur Anwendung digitaler Gesundheitslösungen bewegen könnten. Ebenfalls hohe Zustimmung erhalten Flexibilität und Unabhängigkeit von festen Terminen (83 Prozent) sowie mehr Autonomie bei Information und Orientierung (83 Prozent) als Motivatoren für die Nutzung. Ärztlichen Empfehlung sind – mit marginalem Vorsprung – wichtigster Treiber (84 Prozent).

Gleichzeitig bestehen unterschwellige Barrieren: Mehr als 60 Prozent befürchten eine Überforderung durch permanente digitale Gesundheitsinformationen. Ebenso viele äußern Zweifel, ob digitale Anwendungen ausreichend individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Digital Health scheitert damit weniger an grundsätzlicher Ablehnung, sondern an Vertrauen, Integration, einem der digitalen (Gesundheits-)kompetenz adäquates Produktdesign sowie wahrgenommener Passgenauigkeit.

Krankenversicherer mit Abstand stärkste Impulsgeber

Mehr als jeder zweite Anwender (52 Prozent) wurde durch die eigene Krankenkasse oder private Krankenversicherung auf eine Digital-Health-Anwendung aufmerksam. Ärzte und Psychotherapeuten folgen mit 28 Prozent – gleichauf mit eigener Internet-Recherche.

Damit wird deutlich: Krankenversicherer übernehmen bereits heute eine zentrale Orientierungsfunktion im digitalen Gesundheitsmarkt. Gleichzeitig liegt in der ärztlichen Empfehlung ein bislang nicht ausgeschöpftes Aktivierungspotenzial.

Offenheit in allen Altersgruppen

Die Daten widerlegen zudem die Annahme, Digital Health sei ein Thema vor allem junger und gesunder Bevölkerungsgruppen. Selbst in der Altersgruppe ab 70 Jahren nutzt jeder Vierte digitale Anwendungen, weitere 50 Prozent zeigen sich offen dafür.

Auch diagnostizierte Patientengruppen weisen hohe Nutzungspotenziale auf: Psychisch Erkrankte zeigen sich mehrheitlich offen für digitale Therapiebegleitung (Angststörungen: 68 Prozent, Depressionen: 66 Prozent), ebenso Patienten mit koronarer Herzkrankheit (65 Prozent). Telemonitoring-Angebote stoßen unter anderem bei Typ-2-Diabetikern auf große Aufgeschlossenheit (66 Prozent).

Quelle: _fbeta

- Anzeige -

Meistgelesen

Mehr