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Transformation in der Pflege

Buchrezension von Manfred Kindler

Titelbild Uwe Bettig (Hrsg.): Technische Innovationen in der Pflege – Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Implementierung, medhochzwei Verlag 2024
Uwe Bettig (Hrsg.): Technische Innovationen in der Pflege – Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Implementierung, medhochzwei Verlag 2024

In einer Zeit, in der die Digitalisierung zunehmend Einzug in alle Lebensbereiche hält, steht auch die Pflegebranche vor großen Herausforderungen und Chancen. Das Buch „Technische Innovationen in der Pflege – Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Implementierung“, herausgegeben von Uwe Bettig, bietet mit sieben Beiträgen von Experten aus Wissenschaft und Praxis einen fundierten Überblick über die Potenziale und Hürden digitaler Technologien in der Pflege. Der Sammelband vereint wissenschaftliche und praxisnahe Perspektiven, um Wege zur erfolgreichen Einführung von Innovationen aufzuzeigen und unterschiedliche Aspekte der Digitalisierung in der Pflege zu beleuchten – von grundlegenden Überlegungen bis hin zu konkreten Beispielen.

Einleitend konstatiert Herbert Schirmer in seinem Beitrag über Chancen und Grenzen der Digitalisierung in der Pflege, dass die Einführung neuer Technologien nicht nur technische, sondern auch wirtschaftliche, politische und ethische Fragestellungen mit sich bringt. Der Verfasser beleuchtet verschiedene Versorgungsformen wie die teilstationäre, ambulante und häusliche Pflege sowie die Palliativpflege. Gleichzeitig benennt er bestehende Hindernisse, darunter Interoperabilitätsprobleme, eine mangelnde Einbindung von Pflegekräften in digitale Planungsprozesse sowie Defizite bei der Telemedizin und Datensicherheit.

Dabei kann eine verstärkte Digitalisierung und die Akademisierung des Pflegepersonals auch dazu beitragen, den Fachkräftemangel zu entschärfen. Insbesondere Themen wie die elektronische Patientenakte (ePA), das E-Rezept sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik erfordern eine gezielte Vorbereitung der Anwender, um die Akzeptanz und effektive Nutzung sicherzustellen. Vor allem im ländlichen Raum könnten digitale Assistenzsysteme den Personalmangel kompensieren. So ermöglichen es medizinische Versorgungsassistenten, die Vitalparameter von Patienten in deren häuslicher Umgebung digital zu erfassen und Fachärzte per Videokonferenz hinzuzuziehen – vorausgesetzt, es existiert eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur. Auch innovative Anwendungen wie Mobile Health und sensorbasierte Wearables bieten großes Potenzial für die pflegerische Nachsorge und die Entlastung des Personals. KI-Technologien könnten zudem zukünftig Diagnosen unterstützen und administrative Abläufe effizienter gestalten.

Verbindung von Theorie und Praxis

Ein wertvoller Aspekt des Buches ist die Verbindung theoretischer Konzepte mit praktischen Anwendungen. So analysieren Bianka Grau und Madlen Lippeck die Einführung der ePA in der Johannesstift Diakonie. Ihr Fallbeispiel verdeutlicht, wie digitale Lösungen erfolgreich implementiert werden und welche Rolle Pflegekräfte in diesem Transformationsprozess spielen sollten.

Saskia Ehrenfried indes untersucht die Auswirkungen sensorgestützter Pflege-Informationstechnologien auf die stationäre Altenpflege. Ihre Arbeit zeigt sowohl die positiven Effekte als auch die Skepsis vieler Pflegekräfte gegenüber technologischen Veränderungen. Die qualitative Interviewstudie liefert hilfreiche Einblicke in die Praxis und betont, dass der Erfolg digitaler Transformationen maßgeblich von der Akzeptanz und Weiterbildung der Mitarbeiter abhängt.

Weitere Kapitel widmen sich den Schnittstellen im geriatrischen Versorgungsprozess wie auch der Integration digitaler Gesundheits- (DiGA) und Pflegeanwendungen (DiPA). Ein zentrales Thema ist zudem die Regelfinanzierung von Pflegeinnovationstechnologien, die von Bettig, Ehrenfried und Knuth beleuchtet wird. Sie analysieren die finanziellen und regulatorischen Herausforderungen bei der Einführung neuer Technologien und stellen Lösungsansätze vor.

Das abschließende Kapitel von Heidemarie Hille konzentriert sich dann auf die Erfolgsfaktoren für die Implementierung neuer Technologien. Hier wird deutlich, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine sorgfältige Prozessanalyse entscheidend für den nachhaltigen Erfolg digitaler Lösungen in der Pflege sind.

Interdisziplinäre Herangehensweise

Eine der größten Stärken des Buches liegt in seiner interdisziplinären Herangehensweise, denn die Beiträge stammen nicht nur aus der Pflegewissenschaft, sondern auch aus den Bereichen Gesundheitsökonomie, Informatik und Ethik. So entsteht ein umfassendes Bild der Digitalisierung in der Pflege, das technische, menschliche und organisatorische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Eine noch tiefere Auseinandersetzung mit den ethischen Herausforderungen der digitalen Transformation wäre jedoch wünschenswert gewesen.

Hervorzuheben ist auch die praxisnahe Ausrichtung des Buches. Neben theoretischen Überlegungen liefert es konkrete Handlungsempfehlungen und Best-Practice-Beispiele. Allerdings könnte die teilweise sehr wissenschaftliche Sprache den Zugang für Praktiker erschweren.

Wertvolle Impulse für Pflegekräfte, Wissenschaftler und Entscheidungsträger

„Technische Innovationen in der Pflege“ ist ein wichtiges und zeitgemäßes Werk, das die digitale Transformation aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Es bietet wertvolle Impulse für Pflegekräfte, Wissenschaftler und Entscheidungsträger, die sich mit der Einführung technischer Innovationen auseinandersetzen. Durch die praxisnahe Darstellung und die wissenschaftlich fundierte Analyse leistet das Buch einen wertvollen Beitrag zur Debatte über die Zukunft der Pflege in einer zunehmend digitalisierten Welt.

Uwe Bettig (Hrsg.)
Technische Innovationen in der Pflege – Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Implementierung
medhochzwei Verlag 2024 ISBN: 978-3-98800-091-0

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