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Editorial „Personalisierte Medizin und Gerechtigkeit“

Überblick über die Fachbeiträge
Der Medical Avatar als Baustein der personalisierten Medizin
Der Medical Avatar des Fraunhofer IGD steht für eine neue Generation medizinischer digitaler Zwillinge. Individuelle Patientendaten, medizinische Bildverarbeitung, KI-basierte Analysen und biophysikalische Modelle werden zu einem konsistenten digitalen Patientenmodell zusammengeführt. Ziel ist eine transparente, nachvollziehbare Entscheidungsunterstützung in Diagnostik, Therapieplanung und Pharmakologie. Ärztinnen und Ärzte behalten dabei stets die Entscheidungshoheit; der Medical Avatar dient der Strukturierung komplexer Informationen und der vergleichenden Simulation medizinischer Szenarien. Anwendungen reichen von der personalisierten Therapieplanung über In-silico-Simulationen in der Wirkstoffentwicklung bis hin zur patientenspezifischen Medizintechnik, etwa 3D-gedruckten Augenprothesen.
Autor: S. Prasche
Gendergerechte Orthesenversorgung per 3D-Druck
Bis heute ist der Androzentrismus in der Medizin präsent. Geschlechtsspezifische Unterschiede und Genderaspekte werden weitgehend ignoriert, obwohl bekannt ist, dass das Geschlecht vielfältige Auswirkungen auf Gesundheit, Krankheit und die Versorgung hat. Infolgedessen werden zunehmend individualisierte Versorgungskonzepte gefordert. Die Digitalisierung bietet hierfür neue Chancen, birgt jedoch auch die Gefahr, bestehende Defizite in neue Strukturen zu übertragen. Das Verbundprojekt INDiGO legt daher den Fokus auf Gendergerechtigkeit bei der Entwicklung einer volldigitalen Prozesskette für 3D-gedruckte Unterschenkel-Fuß-Orthesen.
Autoren: A.-K. Carl, D. Hochmann
Standardisierte Gewebedissoziation – enzymfrei die personalisierte Medizin erschließen
Personalisierte Medizin erfordert den zuverlässigen Zugriff auf vitale, funktionell möglichst unveränderte Zellen aus patienteneigenem Gewebe. In der Praxis stellt die Probenaufbereitung jedoch häufig eine zentrale Herausforderung dar – insbesondere bei kleinen oder zeitkritischen Biopsien. Der Beitrag zeigt am Beispiel der TissueGrinder-Technologie, warum standardisierte, enzymfreie mechanische Dissoziationsverfahren einen entscheidenden Beitrag zur Qualität und Reproduzierbarkeit zellbasierter Analysen leisten können. Ausgehend von der Einzelzellanalytik werden unterschiedliche Anwendungsfelder der personalisierten Medizin betrachtet, darunter Immunprofiling, Zelltherapie und funktionelle Medikamententests mit patientenspezifischen 3D-Modellen.
Autoren: F. Dirla, S. Scheuermann, J. Langejürgen, J. M. Kelm
Risikomanagement für KI-Systeme im Medizinbetrieb
Anwendungen der Künstlichen Intelligenz halten zunehmend Einzug in klinische Strukturen. Doch wenn Algorithmen Therapieentscheidungen treffen, steht nicht nur Technologie im Mittelpunkt, sondern die Verantwortung für die Patientensicherheit. Der Beitrag erläutert, wie Betreiber von Medizinprodukten den KI-Einsatz durch ein umfassendes Risikomanagement absichern können. Dabei finden regulatorische Vorgaben wie MDR, der AI Act oder der Cyber Resilience Act (CRA) ebenso Berücksichtigung wie technische Anforderungen und Fragen der Ethik.
Autor: V. Milke
Ein integriertes Produktentwicklungs- und Lebenszyklusmanagement
Angesichts zunehmender wettbewerblicher und regulatorischer Herausforderungen stehen Medizintechnikunternehmen vor der Aufgabe, ihre Prozesse rund um die Produktentwicklung zu optimieren. Nutzbringend ist hier eine integrierte Lösung, die Hardware- und Softwareentwicklung, Qualität, Fertigung und Service umfasst und über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg transparent darstellt. Der Beitrag zeigt, wie ein konsistentes Produktentwicklungs- und Lifecycle-Managementsystem zugunsten von mehr Effizienz, Qualität und einer verbesserten Governance etabliert werden kann.
Autor: R. Zölfl
Erkenntnisse zur Einführung von KI in der Pflege
Das Forschungsprojekt ProKIP, das die Implementierung von Künstlicher Intelligenz in der Pflege untersucht, zeigt: Auch wenn die Pflegefachkräfte den KI-Lösungen zumeist offen gegenüberstehen, bedarf eine erfolgreiche Integration klinischer Entscheidungsunterstützungssysteme nicht nur der Anwenderschulung, sondern auch struktureller Voraussetzungen. So empfiehlt sich ein Vierphasen-Prozess, der die Vorbereitung (Infrastruktur, Schulungskonzepte), Einführung (Vor- Ort-Support), Evaluierung und ein kontinuierliches Follow-up umfasst.
Autorin: M. Gresbek
Wie Medizintechnikunternehmen KI-generierte Inhalte regulatorisch konform nutzen
KI verspricht enorme Fortschritte in der Medizintechnik – von präziseren Diagnosen bis zu effizienteren Behandlungspfaden. Gleichzeitig verschärft der EU AI Act die ohnehin komplexe regulatorische Landschaft und zwingt Medizintechnikunternehmen, Innovation und Compliance sorgfältig auszubalancieren. Die gesetzlichen Anforderungen betreffen neben der Produktentwicklung und Konformitätsbewertung auch KI-generierte Inhalte im Marketing. Hier kann die Ermittlung empirischer Daten im Sinne einer robusten Real-World Evidence (RWE) und ihre Verbindung mit einem zentralisierten, transparenten Content- Management gewährleisten, dass Künstliche Intelligenz nicht zur riskanten Blackbox, sondern zum strategischen Verstärker für evidenzbasierte, konforme und vertrauenswürdige Kommunikation wird. Der Beitrag zeigt, wie dies gelingt.
Autoren: J. Tham, P. Vyas
Weitere Themen:
- Fachbegriffe zur Digitalisierung erklärt
Large Language Model (LLM) - Eine Kolumne mit kleinen Rückblicken in die Welt der mt
- Kurz & Interessant mit sechs weiteren Themen, u. a. zur HLTH Europe 2026
- Kommende Veranstaltungen (auf der letzten Seite)


