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StartKolumneBuchrezensionenEin Impfstoff und zwei Perspektiven

Ein Impfstoff und zwei Perspektiven

Buchvergleich von Manfred Kindler

Titelbild Joe Miller mit Özlem Türeci und Uğur Şahin: Projekt Lightspeed; Der Weg zum BioNTech-Impfstoff – und zu einer Medizin von morgen, Rowohlt 2021, 330 Seiten
Joe Miller mit Özlem Türeci und Uğur Şahin: Projekt Lightspeed; Der Weg zum BioNTech-Impfstoff – und zu einer Medizin von morgen, Rowohlt 2021, 330 Seiten
Titelbild Dr. Sabine C. Stebel: Einmal mit Profis arbeiten oder Ugurs Geständnis, Hesper Verlag 2024, 327 Seiten
Dr. Sabine C. Stebel: Einmal mit Profis arbeiten oder Ugurs Geständnis, Hesper Verlag 2024, 327 Seiten

Auf unserer Agenda stehen heute zwei absolut konträre Bücher, die sich mit der Entwicklung des Covid-19-Impfstoffes Comirnaty befassen. Der Frankfurter Korrespondent der Financial Times Joe Miller beschreibt in „Projekt Lightspeed“ den „Weg zum BioNTech- Impfstoff – und zu einer Medizin von morgen“ mit Stand August 2021. Dabei agiert er gleichsam als Ghostwriter für das Forscher- Ehepaar Özlem Türeci und Uğur Şahin. Dem Team von BioNTech gelang die Entwicklung des ersten Covid-19-Impfstoffes vom Labor bis zur Notfallzulassung in der einmaligen Rekordzeit von weniger als einem Jahr.

„Wie zwei Forscher die Welt retten“

Die Presse überschlug sich mit Hymnen auf dieses Buch und pries das „deutsche Heldenpaar“ (Der SPIEGEL), welches den „Menschen die Hoffnung zurückgebracht“ hat (die ZEIT). Die Frankfurter Rundschau schrieb: „Das Buch ist sicher das wichtigste dieser Saison. Außerdem ist es spannend, berührend, und es macht einen schlau.“ In der Tat ermöglicht das Buch einen guten Einblick ins Innere von BioNTech mit vielen interessanten und nachprüfbaren Sachinformationen. Miller erzählt detailreich die Story zum Thema „Wie zwei Forscher die Welt retten“ und verrät nebenbei überraschende Interna über den Pharmamarkt und die Rollen der WHO, der Bundesregierung und der Zulassungsbehörden FDA, EMA und PEI. Zu den zehn Kapiteln liefern 210 Fußnoten einen weiteren Hintergrund.

Allerdings findet der Leser etliche handwerkliche Fehler und unvollständige Sätze vor, die wohl dem hohen Zeitdruck, der hastigen Übertragung ins Deutsche durch sieben Übersetzer und einem ungenügenden Lektorat geschuldet sind. Bei den Schilderungen der komplizierten Zusammenhänge wird zuweilen das fehlende Verständnis des Autors für die biochemischen und technischen Aspekte deutlich, obwohl alle Details mit den BioNTech-Forschern abgestimmt wurden. Die häufigen Wiederholungen und Sprünge deuten auf eine Sammlung von Einzeltexten hin, die in der Eile zu einem Konglomerat zusammengefügt wurden. – So viel zum Eindruck des Rezensenten.

„Lektürehilfe“ – gnadenloser Verriss

Kritische Einzelheiten zu dieser Veröffentlichung entnehmen wir auch einer weiteren Publikation. Denn die auf dem Gebiet des Protein-Engineerings promovierte Biologin Dr. Sabine C. Stebel stellt in der zweiten aktualisierten Auflage ihres Buches „Einmal mit Profis arbeiten – oder Ugurs Geständnis“ eine von ihr sogenannte „Lektürehilfe zum Projekt Lightspeed“ vor. Diese verfasste sie allerdings in einem stark gewöhnungsbedürftigen, ironischen bis zynischen Schreibstil. Auf den ersten Blick würde man ihren radikalen Wortschatz der „Querdenker-Szene“ zuordnen und das Buch zuschlagen. Doch es lohnt sich, weiterzulesen, denn letztendlich handelt es sich um eine umfassende Faktensammlung, die den skeptischen Ton zu rechtfertigen scheint.

Die 327 Seiten bestehen aus einem gnadenlosen Verriss des Miller- Buches, penibel ausgeführt anhand unzähliger Originalzitate und unterfüttert mit 1.297 Fußnoten. Mit einer außerordentlichen Energie und wissenschaftlichen Akribie beschreibt die Autorin grundlegende Fehler im Design der modRNA, in der Wahl der Lipid-Nanopartikel zur Verpackung der modRNA und in der Studienführung von BioNTech. Nebenbei enthält ihr Buch fachlich unterlegte Analysen der Ungereimtheiten, Widersprüche, Risiken, Fehleinschätzungen und Tricksereien im Umfeld der Comirnaty-Zulassung. Anhand bereits damals bekannter Quellen wirft sie den Politikern viele bewusste Falschbehauptungen vor, die durch persönliche Seilschaften in den jeweiligen Institutionen bekräftigt wurden. KI-unterstützte Auswertungen der mehrtausendseitigen RKI-Protokolle deckten eine seit Mai 2020 erfolgte politische Einflussnahme auf Vorschläge und Entscheidungen des eigentlich fachlich unabhängigen Bundesinstituts auf.

Lohnend: Beide Bücher parallel lesen

Per Gericht herausgeklagte Daten des Pfizer-Vertrages mit Israel enthüllen, dass bereits im Juli 2020 ein Confidential Agreement unterzeichnet wurde, drei Monate, bevor überhaupt die klinische Phase III der Erprobung begonnen hatte. Eine israelische Studie zeigt einen rapiden Anstieg der Sterblichkeit ab 30 Tagen nach der Impfung. Im August 2021 wurde im Lande ein 13-fach höheres Risiko von Covid-19-Erkrankungen für Geimpfte gegenüber nach einer Infektion Immunen festgestellt. Und im März 2022 meldete Israel bei Geimpften einen Anteil von über 66% mit teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Das Paul-Ehrlich-Institut ermöglichte im November 2024 überraschend den Zugang zu einem Datensatz mit nahezu einer Million Meldungen über Nebenwirkungen der Corona-Vakzine. Trotz der über 1.300 möglichen Todesfälle im Nachgang der Impfungen geschah die Offenlegung noch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. So wurden möglicherweise durch produktionsbedingte Verunreinigungen manchmal hochgradig toxische Chargen ausgeliefert. Für die Protein-Ingenieurin Stebel ist das Ergebnis nicht überraschend. In jedem Fall liefert sie ein radikales Aufklärungsbuch mit aktuell hochbrisanten Fakten zum Corona-Impfstoff, belegt durch offengelegte Protokolle und wissenschaftliche Studien. Es lohnt sich, beide Bücher parallel zu lesen.

Von Manfred Kindler

Joe Miller mit Özlem Türeci und Uğur Şahin
Projekt Lightspeed; Der Weg zum BioNTech-Impfstoff – und zu einer Medizin von morgen
Rowohlt 2021, 330 Seiten

Dr. Sabine C. Stebel
Einmal mit Profis arbeiten oder Ugurs Geständnis
Hesper Verlag 2024, 327 Seiten

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